43 Jahre Hinterhofverein –
43 Jahre Grüne Oase mitten in der Stadt
Oldietreffen – Wie war das damals auf dem Hasenspielplatz?
Wir sind eine bunte Mischung aus den Pionieren, der zweiten und dritten Generation der Projektgruppe Stadtbelebung e.V. Seit einigen Jahren treffen wir uns einmal jährlich beim „Oldietreffen“. Viele von uns sind inzwischen selbst Großeltern – und kommen gerne an den Ort zurück, der uns so viele schöne Erinnerungen geschenkt hat.
Als die 3. Generation 1995 durchstartete, war die Tiefgarage bereits gebaut und der Spielplatz neu entstanden. Von Anfang an galt: Ein schöner Platz entsteht nicht von allein. Unsere Aufgabe war es, ihn zu erhalten, zu pflegen und immer wieder ein Stück besser zu machen.
So wurden regelmäßig Bänke repariert, das Kletterhaus instand gehalten, Sand ausgetauscht, die Wasserpumpe repariert, Rutschen gestrichen, Büsche und Bäume geschnitten, der Schuppen abgedichtet und Hasen und Hühner versorgt. Vieles geschah in Eigenleistung – mit Werkzeug, Muskelkraft und jeder Menge Begeisterung.
Mit den Jahren entwickelte sich der Hinterhof stetig weiter. Der Fußballplatz erhielt Tore, später Kunstrasen und höhere Ballfangnetze. Die Schaukelbalken wurden erneuert und gleich zwei neue Kletterhäuser gebaut – eines davon nach dem Brand im Jahr 2010.
Doch der Hinterhof sollte nicht nur gepflegt werden – er sollte leben.
Deshalb organisierten wir Sommerfeste, Flohmärkte, Walpurgisfeiern und zahlreiche Arbeitseinsätze. Aus einem Spielplatz wurde ein Treffpunkt für den ganzen Stadtteil.
Ein Höhepunkt war das große Sommerfest 2011. Rund 400 Besucherinnen und Besucher feierten mit uns. Auf dem Programm standen ein Jugendfußballturnier, Bastelangebote, eine Kastenrutsche, eine Jugendband, liebevoll gestaltetes Kindertheater und am Abend Livemusik auf der Bühne. Das Fest hatte längst den Charakter eines echten Stadtteilfestes angenommen.
Nach vielen Jahren voller Engagement war schließlich die Zeit gekommen, Verantwortung weiterzugeben. Unsere Kinder waren erwachsen geworden, und nach unzähligen Festen, Projekten und Arbeitseinsätzen war ein Generationenwechsel der nächste logische Schritt.
Besonders stolz sind wir darauf, dass der Hinterhof durch gemeinsames Engagement erhalten werden konnte. In den ersten Jahren war viel Überzeugungsarbeit nötig. Gemeinsam mit dem Gemeinderat wurde darum gerungen, den Platz dauerhaft für die Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Gleichzeitig entstand eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt. Das Gartenbauamt unterstützte uns häufig unkompliziert, weil sichtbar war, wie viel ehrenamtliche Arbeit hier geleistet wurde. Auch Presse und Bezirksbeirat begleiteten unseren Weg wohlwollend – eine Unterstützung, von der der Verein bis heute profitiert.
Heute erfüllt es uns mit Freude zu sehen, dass neue Generationen den Hinterhof mit genauso viel Leidenschaft gestalten und weiterentwickeln.
Denn genau das macht diesen Ort aus: Jede Generation hinterlässt ihre Spuren – und jede baut auf dem auf, was die vorherige geschaffen hat.
Der Hinterhof lebt durch die Menschen, die ihn mit Herz, Ideen und Tatkraft gestalten. Damals. Heute. Und in Zukunft.
Martina Lemke

Der Stuttgarter Westen ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil in ganz Deutschland, und die miserable Spielplatzversorgung sowie das Fehlen von Grünflächen im näheren Umfeld sind allen bekannt.
Die Stadt Stuttgart beschloss 1975, im Rahmen der Blockentkernung im Gebiet Seyffer- Röte- Gutenberg- Ludwigstraße, den Bau einer Tiefgarage mit Begrünung.
1979-81 wurden die Schuppen und Gebäude von ehemaligen Kleingewerben abgerissen. Der Tiefgaragenbau aber wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, da zu diesem Zeitpunkt noch die notwendigen Mittel fehlten. Deshalb wollte die Stadt das Areal vorübergehend für Autostellplätze nutzen.
Daraufhin fanden sich Anwohner zusammen, die auf dem freien Platz einen möglichst unreglementierten Freiraum für Kommunikation, Spiel und Erholung schaffen wollten, als Gegenpol zu dem häufig isolierten und anonymen Stadtleben.
Damit sich Menschen mit ähnlichen Interessen und Ideen zusammenfinden konnten, wurde an 5. Juni 1981 das erste Hinterhoffest auf dem Gelände veranstaltet. Die Stadtplaner konnten überzeugt werden, dass Spielplätze und Grünflächen wichtiger sind als Parkplätze, und der Verein
Projektgruppe Stadtbelebung e.V. wurde gegründet.

1981
Die letzten Hinterhäuser werden abgerissen, Anwohner organisieren ein 1. Sommerfest auf dem Gelände und gründen den Verein Projektgruppe Stadtbelebung.
Hinterhoffest 1981



1982
Es entsteht der 1. Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Verein, die Stadt stellt das Bau- und Pflanzenmaterial für die Geländegestaltung zu Verfügung.

1983/1984
Der Verein pflanzt Büsche und Bäume, sät Rasen ein, baut Spielgeräte, ein Erdhaus, Hasen- und Hühnerställe, Sandkästen, Riesenschaukel, sowie Pergola und organisiert diverse Feste.
1986
Die Projektgruppe versucht, das Gelände auf Dauer zu erhalten und den Tiefgaragenbau zu verhindern. Er startet dazu ausführliche Umfragen in der Nachbarschaft zur Bedarfserhebung.

1987
Die Projektgruppe sammelt Unterschriften für den Erhalt des Geländes.

1988
Da die Stadt an dem Garagenplan festhält, verhandelt die Projektgruppe über die Oberflächennutzung nach Fertigstellung der Garage. Ziel ist die Zusage, dass die Oberfläche wieder so wie vorher nutzbar sein wird: Hügelig, mit Toilette, Wasser- und Stromanschluss.

1989
Laut Gemeinderatsbeschluss soll die Grünanlage auf der Oberfläche der Tiefgarage mit Styroporhügeln gestaltet werden, die nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt werden. Es ist weder Wasser- noch Stromanschluss geplant, auch keine Toiletten.
1990
Die Stadt überlässt den Bau der Tiefgarage einem Investor, der Bauherrengemeinschaft Götz und Grötzinger. Teil des Kaufvertrages ist die Oberflächennutzung duch die Projektgruppe Stadtbelebung e.V.

1991
Wettbewerb Wohnen in der Stadt Leben im Grünen:
Sonderpreis für die Projektgruppe Stadtbelebung

1992
Die Tiefgarage wird gebaut, Bagger rollen im Herbst an und räumen das Gelände. Der Bauherr erhält von der Stadt Stuttgart einen Zuschuss von 250.000 DM, um nach Fertigstellung der Tiefgarage die Oberfläche wieder in den vorherigen Zustand zu bringen.

1993
Nach Fertigstellung der Planierungs- und Landschaftsmodellierungsarbeiten übergibt der Bauherr die weitere Fertigstellung des Geländes an die Projektgruppe Stadtbelebung, und überlässt ihr dafür nach und nach eine pauschale Vergütung von 180.000,-. Der Verein führt die Arbeiten nach den Plänen der Landschaftsgestalter Fa. Blattwerk aus, und erhält je nach Fortschreiten der Arbeiten entsprechende Abschlagszahlungen.

1994
Juni:
Der Hinterhof-Spielplatz wird vom Gartenbauamt abgenommen.




2001
Umweltpreis der Landeshauptstadt Stuttgart für besondere Verdienste im Umweltschutz
2004
Endlich gibt es wieder Hühner auf dem Hinterhof. Prillan und Lilly picken fröhlich zwischen Hasen und Kaninchen.

Mai 2005
Projektgruppe Stadtbelebung goes Internet:
www.hasenspielplatz.de
www.projektgruppe-stadtbelebung.de
www.psev.de
2006
Ehrenmünze der Stadt Stuttgart für den Hinterhofverein.
Der Verein feiert sein 25-jähriges Bestehen.

Mai 2009
Mit Helga und Grete haben unsere Hühner Verstärkung bekommen. Fröhliches Gackern!
Januar 2010
Prillan, das älteste unserer Hühner, ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen.
März – April 2010
Das neue Kletterhaus entsteht.
18. Dezember 2014
Das neue Kletterhaus geht in Flammen auf – Brandstiftung auf dem Hinterhof



2015
Zum ersten Mal haben unsere Hühner Eier ausgebrütet.
2020
Nach einiger Zeit Pause gibt es endlich wieder Hasen, genauer Kaninchen, auf dem Hasenspielplatz.

